| |
Nachdem ich den ungewöhnlichen „Undercover“ überraschend gut fand, versuchte ich es mit der Folge, die wohl am weitesten von den gängigen Elementen der Serie entfernt ist. Diesmal vermag ich aber weitgehend in das Lamento der Fans einzustimmen. Dabei ist das kein völlig misslungener Film, sondern als Krimi durchaus guter Durchschnitt. Leider erinnert das Nicht-Sehen der Entführung verdächtig an Roman Polanskis „Frantic“ (Zufall? Der Täter ist ein Psychopath) und das Ziel des Täters entfernt an „The Collector“ (1965) – zwei viel bessere Filme. Auch das Motiv bleibt wenig ausgearbeitet, wenngleich die Idee, dass der Täter sich die Lippen schminkt, noch die interessante Deutung zulässt, dass er seine Mutter und sein Vater zugleich sein will, was heißt: Täter und Opfer. Auf der Haben-Seite ist ganz klar die filmische Gestaltung bei Optik (u.a. ein Raum wirklich ganz in Weiß mit ebenso gekleideten Menschen, aus nachvollziehbaren Gründen) und Akustik (z.B. Geräusche, die eine junge Frau hört, bevor sie zum ersten Mal ihren Peiniger sieht). Der Rest ist ein in straffer Parallelmontage erzählter, durchaus spannender Wettlauf gegen die Zeit mit im besten Sinne konventioneller Detektivarbeit. Was das größte Problem ist, ist die Rolle Columbos. Der Webmaster hat schon recht darin, dass der Inspektor sich nicht gänzlich untreu wird: Er gibt am Anfang Amüsantes über die mal wieder nicht anwesende Gattin zum Besten. Er ist den anderen oft ein Stück weit voraus. Es gibt die spaßigen bis (im positiven Sinne) nervigen Gespräche mit den wie gewohnt originell-skurril-spleenigen Nebenfiguren wie einem Reinigungsmann, einem Fotografen und dessen Redakteurin. Es gibt das Humane, wenn Columbo die Angehörigen des Verbrechensopfers zu schonen versucht und am Ende einen gewalttätigen Zugriff noch abzuwenden versucht. Was es aber nicht gibt: den direkten Kontakt zwischen dem Täter und Columbo, von dessen oft mit gepfefferten Dialogen und Finten aller Art gewürzten Spielchen die Serie und die Hauptfigur so sehr leben. In dieser Hinsicht ist gerade das Ende sehr enttäuschend und nahezu „anticolumbianisch“. Insgesamt eher ein „Film MIT Columbo“ als „ein Columbo“. Ein Film, dem Columbo ein paar kleine Sahnehäubchen aufsetzt, ohne das Kuchenstück sein zu können. Ein Film, den die Figur des Columbo ein bisschen besser macht, der aber eigentlich auch ganz gut ohne ihn auskäme. Damit: ein ordentlicher Krimi. Aber ein schwacher „Columbo“. |