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Episoden Kommentare

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Mord in eigener Regie  
Tonio
17.12.2017 07:34:35
 
Columbos Autounfall und die Halskrause sind im Grunde überflüssig. Er hat bei der Lösung des Falles ein großes Quentchen Glück. Er spielt umständlich an Knöpfen und Reglern in einem Fernsehstudio herum. Die Mörderin versteckt die Pistole nicht minder umständlich auf einem Fahrstuhldach, um sie später wiederzuangeln und wegzuwerfen – das hätte sie auch gleich in der Nacht zwischen Tat und Ermittlungen tun können. Jajajaja… und ich liebe diese Folge! Den Beginn mit Tatütata und Unfall kann man auch als Manifestation eines von Columbos Wesenszügen sowie als Statement der Serie gegen die Konkurrenz sehen. Einsatzwagen mit Blaulicht und Martinshorn, wilde Notfalldurchsagen per Funk – das ist nicht Columbos Welt, da gerät er schon mal zwischen die Räder. Und die Halskrause führt zu schönen wie eigentlich absurden Missverständnissen, wenn er auf die Ermittlungen angesprochen wird, aber denkt, sein Schleudertrauma sei gemeint. Auf das Berufliche, da muss man ihn eben nicht ansprechen, da ist er Profi. Und Profi ist auch die Täterin, Kay Freestone (Trish Van Devere), eine erfolgreiche wie toughe und zudem äußerst attraktive TV-Produzentin. Was zu einem ganz wundervollen Zusammenspiel der beiden führt. Das ist weder Flirt noch Kampf, das ist – als gleichsam hervorragende Parallele wäre der Ruth-Gordon-Columbo zu nennen – ein hoher gegenseitiger Respekt, gerade weil beide am anderen schätzen, dass der sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt. Dialoge vom Feinsten: „Sie sind auf Ihre Art ein attraktiver Mann, aber das wissen Sie bereits.“ Ein mäßiger Drehbuchschreiber hätte eine Entgegnung wie „Mrs. Columbo meint, ich müsse mehr auf meine Pfunde achten“ verfasst, aber was tut dieser Film? Columbo bejaht schlicht! Selbstbewusst, ohne (was es in mancher Folge leider ebenfalls gibt) überheblich zu sein, ja so mag ich Columbo. Und beide sind nicht etwa nur Vollprofis, sondern auch menschlich. Will Ms. Freestone einfach nur ein Stein oder auch mal frei sein? Und was muss man dafür tun? Der Film wie der Inspektor billigt den Mord keinesfalls, kritisiert aber bestechend der Täterin Umfeld: Das Fernsehen, das ist halt (wir befinden uns in der Zeit vor dem Boom der US-Qualitätsserien) effizient, muss es sein, da ist kein Platz für Allüren, Drehverlängerungen und Kostenexplosionen. Gesetze des Business wie Erkenntnisse zum Wesen von Kay werden großartig dargestellt anhand einer abgehalfterten und drogensüchtigen Tänzerin, der klargemacht werden muss, dass man hier „keine MGM-Schnulze aus den Fünfzigern“ dreht. Genau, was für ein Gegensatz! Die berührende Figur hat mich nicht nur an den sehr unterschätzten Spielfilm „Das Tal der Puppen“ (1968) erinnert, sondern ihr Verhältnis zu Kay sagt auch etwas über Letztere. Diese empfindet nämlich starke Gefühle für die Dame, sodass man fast eine bisexuelle Orientierung erwägt – tiefe Freundschaft ist es auf jeden Fall. Und so ist es gerade diese Frauenfreundschaft, die Kay menschlich und damit unprofessionell werden lässt. Was ihr beruflich jede Menge Ärger einbringt und um drei Ecken herum zudem Columbo auf die Falllösung stößt, die man daher als mehr denn nur Glück deuten kann. Man ahnt, dass ihr die Oberen des Senders den Mord eher verziehen hätten als die Gefährdung einer Show dadurch, dass Kay die Freundin nicht einfach feuert. Vielleicht passt daher auch die lange in den Räumen des Senders versteckte Waffe: Fernsehen ist mörderisch.

Ebenfalls gelungen sind die Machart und die darstellerischen Leistungen. Van Devere ist nicht nur schön, sondern changiert äußerst ausdrucksstark zwischen Toughness und Verletzlichkeit. Ihre Schlusssentenz – „Ich werde es überleben, ich werde kämpfen, und vielleicht werde ich sogar gewinnen“ – ist m.E. nicht nur Anzeichen von fehlender Reue (der Autor dieser Webseite ist offenbar etwas anderer Ansicht), sondern eines bewundernswerten Kampfeswillens, der sich gleichwohl der Realität nicht verschließt.* Das kann, muss man respektieren und sogar ein bisschen bewundern (ähnlich zuvor ihre Reaktion bei der aufgenötigten Kündigung). Van Devere steht der jungen Barbara Stanwyck in nichts nach. Und Columbo scheint diese Haltung ebenfalls zu schätzen. Er hatte schon recht früh laut gedacht, dass der Mord nicht nur aus Karrieregründen, sondern aus einem noch unbekannten, höchstpersönlichen Motiv begangen wurde, der „dem Fall eine ganz andere Richtung“ gebe, und so ist es auch. Er weiß, wie Kay tickt. Er „muss“ sie mitnehmen. Seine Mischung aus Humanismus, tiefer Menschenkenntnis und Unbestechlichkeit kommt auf indirekte Weise genauso schön heraus wie in einem herausragenden Monolog der Ruth-Gordon-Folge, die ebenfalls zu meinen Lieblingen zählt. Nicht zuletzt überzeugt der Film in Bildgestaltung und Musik-Einsatz. Abstrakte Formen und verzerrte Film-im-Film-Bilder ziehen den Boden unter den Füßen weg, so wie Kay erkennen muss, dass TV nicht das Leben ist. Ein Motiv klassischer Musik, eine Fuge, wartet darauf, dass sich alles zusammenfügt (aber geht das denn?), in auffälligem Kontrast in eine schreckliche, einfache und ständig wiederholte Jahrmarkts-Musik mündend, die das Fanal der Täterin einleitet. Ihr kann die TV-Routine nicht mehr Rettung sein. Mit anderen Worten, die Folge hat alles, was ein Columbo braucht, und noch viel mehr. Höchstwertung – und Loriot-Fans mögen bei einer sehr lustigen Szene mit „Hund“ in einem Fernsehgeschäft an den Sketch „Sollen Hunde fernsehen?“ denken, aber das wäre eine andere Geschichte.

* Den Satz hätte man auch mal Columbo in den Mund legen können. Gepasst hätte eine andere meiner Lieblingsfolgen: „Wer zuletzt lacht“, in der er nach scheinbarer Niederlage aber nur ein Champagnerglas absichtlich auskippt und damit – auf ebenfalls hervorragende Weise – eine erstaunlich verletzliche Seite zeigt.

Waffen des Bösen  
Tonio
17.12.2017 07:34:35
 
Waffen des Bösen

Es kam aus Irland ein Terrorist,
Dem Columbo hart auf den Fersen ist.
Wie‘s Geheimnis gehoben,
Ist etwas verschroben,
doch ansonsten die Folge gelungen ist.

Columbo ist sogar am Ende bereit
Zu laufen den Wettlauf gegen die Zeit.
Das ist gewagt
Doch Leute, verzagt
Nicht: Viel besser gelingt’s als in „Bluthochzeit“.

Bereits Dialoge beim Flipperpspiel:
Süffisant passen sie zu Columbos Stil!
Die Chemie stimmt,
Der Funke glimmt,
Nie nervte Columbo den Täter so viel.

Ein Folk-Song ist Leitmotiv überall,
Der Böse singt ihn: Selbstsicherheit prall!
Doch mit dem Text
Ist’s wie verhext:
Der Whisky bringt schließlich den Täter zu Fall.

Der Film bietet manche Anspielung pur
Aus Politik und Literatur
Statt technischer Gimmicks
Braucht Columbo nur Lim’ricks
Zu zerr’n um den Täter die Schnur.

Dies alles ist beinahe unerreicht,
Doch macht es der Böse Columbo auch leicht,
Seine Buch-Signatur,
Seine Whisky-Kultur,
Zur eig’nen Bezichtigung allemal reicht.

Dann gibt es noch Waffen, zur Ausfuhr bereit,
Beim Suchen ist niemand so richtig gescheit,
Doch liegt der Ort nah,
Columbo wird’s klar
Durch das Sticken (!) – ein Zufall statt Logik und Schneid.

Doch ist diese Folge kein Eigentor,
Hat neben viel Gutem auch schönen Humor,
Zum Beispiel C.s Gunst
Für erotische Kunst
Wie käme das Mrs. Columbo wohl vor?

Der Bewerter, er äußert Lob, uneingeschränkt.
Ich nicht, wenn man manches von oben bedenkt.
Doch des Falles Schwächen
Kann locker ausstechen
Was Schauspiel und Drehbuch uns schenkt.

(7 oder 8 Punkte, ich überlege noch)

Wein ist dicker als Blut  
Shop
15.12.2017 15:29:54
 
Allein die Sätze von Adrian Carsini sind der Wahnsinn.
In meiner absoluten Lieblingsszene im Restaurant sagt er zu seiner Sekretärin: "Oh meine liebe Karen, ich flehe sie an nicht zu rauchen. Sie würden uns um ein erregendes Geschmackserlebnis bringen, durch die Bitterkeit ihres Tabaks."

Zwei Leben an einem Faden  
rkh1979
28.11.2017 01:02:28
 
Korrektur
Auf dem Wagen amerikanischer Bauart wurde ein Harttop mit roten Lampen und Sirenenattrape auf das Dach montiert, damit es wie ein Krankenwagen aussehen soll.
Anstatt "Ambulance" steht "Schaefer" dran

Zwei Leben an einem Faden  
rkh1979
28.11.2017 00:51:16
 
Was mich stark wundert ist, dass in der Anfangsphase der Krankenwagen, der den herzkranken Dr. Hideman transportiert, nicht die Aufschrift "Ambulanz" am Auto trägt so drin es steht der deutsche Name "Schaefer" am Auto. Beziehungsweise an dem Harttop, was augenscheinlich auf Eingang normales Auto draufgesetzt wurde.

Black Lady  
Tonio
19.11.2017 07:34:35
 
Während Täter oft nicht gesehen werden wollen, legt es die Täterin diesmal auf das Gegenteil an. Dies scheint Sinn zu ergeben, weil sie eine Kunstfigur ist, die „Black Lady“ (eher mangels Dunkelhäutigkeit eine „Lady in Black“, soviel zur Idiotie des deutschen Titels). Als verkleidete Edelprostituierte lässt sich die Täterin auf ein Spiel mit ihrem Freund ein, den das auch nicht verwundert, da die Dame eine erfolgreiche Sex-Therapeutin ist. Statt der Zunge (die Verweigerung des Zungenkusses bei gleichzeitiger Inaussichtstellung ist meisterhaft inszeniert wie gespielt) dringt dann aber eine Pistolenkugel in den Mann ein. Da Columbo im Kollegenkreis der Täterin ermittelt, dreht sich im Folgenden vieles um Sex. Eine gewisse Gratwanderung, die aber hervorragend gelingt, da die Folge weder offen versaut wird noch das Treiben diskreditiert. Columbo ist vielmehr auf sympathische Weise konservativ wie auch ambivalent. Nach seinem Liebesleben befragt, verweist er – natürlich – auf seine Ehe, grinst aber verschmitzt. Ist er verunsichert oder denkt er sich: „Es geht Euch alle doch nix an, dass ich mit Mrs. Columbo ein wunderbares Intimleben ohne Euren Schnickschnack habe“? Wir können nicht sicher sein. Ist das nicht herrlich? Wenn Brunnenfontänen zu Columbos Versuch, Tuba zu spielen, spritzen, mag dies sexuell konnotiert sein, ist aber hinreichend dezent, um auch als herrlich absurder Humor durchzugehen. Gelungen sind ferner die Szenen mit den herrlich spinnerten und reichlich komplexbeladenen Kollegen. Dass man bei sowas immer aufpassen muss, nicht den Bogen zu überspannen, ist klar. In dieser Folge gefällt mir das noch besser als in #40 – die mit den Intelligenzbestien, in denen selbige teils wirklich überzogen verschroben und bescheuert erscheinen: Columbo wird drei Mal um Rat gefragt und gibt drei Mal eine Antwort, die völlig nichtssagend ist, aus der die Fragenden aber jeweils das heraushören können, was sie wollen; und sie sind dankbar! Eine wunderbare Satire wider die Phrasendrescherei. Wobei diese Folge trotz gewisser grenzwertiger Albernheiten (Szene mit der osteuropäischen Putzfrau!) auch aus anderen Gründen recht weit oben rangiert, bietet sie doch neben der Satire und der üblichen Cleverness einen ansprechenden Psychokrimi. Die Kunstfigur wird nämlich zu einem zweiten Ich der Täterin, im Grunde zu einem zweiten und dritten Ich. Dies wird nicht nur in ihrem Schlussmonolog klar, sondern auch in vorherigen Szenen mit inszenatorischem Geschick, in denen vor allem Spiegel zum symbolischen Einsatz kommen. Teils geschieht dies eher beiläufig; besonders auffällig ist dies hingegen, wenn sich die Black Lady in zwei (!) Spiegelbilden streitet; mit sich selbst und mit der realen Person. Mindestens drei Seelen stecken in der Dame! Der Film hat aber so deutliche Fingerzeige gar nicht nötig; ihm gelingt es zudem, dies mit dem Kriminalfall zu verbinden. Man weiß zwar, dass nur eine Dame mit dem Opfer im Mordzimmer war, aber durch Blut- und Haaranalyse (falsches Blut, falsches Haar) stellt sich heraus, dass es drei gewesen sein müssten. Das passt ja irgendwie… Schließlich ist der Film auch optisch gut inszeniert, indem er die Werbeglanz-Erotik à la „Neuneinhalb Wochen“ mit Neo-Noir-Ästhetik verbindet. Vielleicht noch eine Winzigkeit besser geworden wäre er durch einen wirklichen Star, eine große Diva, in der Mörderinnenrolle. Um solche Stars war es in den Folgen ab 1989 bekanntermaßen schlechter bestellt als in denen bis 1978; vielleicht, weil es sie nicht mehr gab. Aber die wunderbare Faye Dunaway fiele mir da schon ein, die uns später glücklicherweise die großartige Folge 62 schenkte. Gleichwohl liegt eine inhaltlich wie inszenatorisch weit überdurchschnittliche Episode vor, 8 von 9 Punkten.

Tödlicher Jackpot  
Tonio
19.11.2017 07:34:35
 
Es fehlt nur das ganz kleine Quentchen, das mich wirklich elektrisiert und dazu führt, dass einige, ganz wenige Columbo-Folgen in die Spitzengruppe mit 9 Punkten kommen. Aber das ist schon ein guter bis sehr guter Film, dem vor allem gelingt, eine Balance zu halten, um die die späteren Folgen – mit meist gutem, aber doch unterschiedlichen Erfolg – stets bemüht sind. Durch die nunmehr stetigen 90 Minuten sowie den Wunsch, nach X Folgen noch etwas Neues zu bieten, müssen sich die Macher so einiges einfallen lassen, aber auch aufpassen, dass die Folgen weder zu spinnert noch zu ausufernd noch zu „columbofremd“ werden. Von den ca. 3/4 der bisher gesehenen Folgen ist dies diejenige, in der der Inspektor am spätesten auftritt, nämlich in Minute 32 (Europäische DVD-Laufgeschwindigkeit). Aber vorher kommt keine Langeweile auf, sehen wir doch in schönster Tradition die Geschichte und die Charaktere, die in den Mord münden. Und das ist ja nicht minder interessant als die Schrullen unseres Ermittlers. Hier bestechend, wie es um eine Mischung aus einem absurden Zufall und der nackten Gier bzw. dem Neid geht. Ein junger, mittelloser Fotograf möchte, dass seine Ex endlich die Scheidungspapiere unterzeichnet und sieht beim Besuch bei ihr, dass er den Lotto-Jackpot geknackt hat. 30 Millionen! Der gefällige Soundtrack verarbeitet gleich mal „We’re in the money“ (und am Ende auch „This Old Man“) und lässt den jungen Mann ziemlich ausrasten, der sofort wie von Sinnen einen (vergleichsweise kleinen) Teil des Geldes ausgibt. Und statt dass er sich sagt, „mit 15 Mille bin ich immer noch schweinereich“, gönnt er der Noch-Frau nix und schmiedet mit seinem Onkel einen Plan, der sich aber an der Börse verzockt hat und die Kohle ebenfalls gut gebrauchen kann. Mehr sei nicht verraten. Neben den üblichen gelungenen Detektionen und Kultfaktoren (allein Columbos Vorfahren beim Nobel-Autohaus, in dem der junge Mann einen sündhaft teuren Flitzer geordert hatte…) gibt es einen Hang zum Abgedrehten. Diesen mag ich oft grad in den späteren Folgen, wenn er – wie hier – nicht zu Albernheiten führt. Mittendrin offenbaren sich in #46 ff. gelegentlich menschliche Schwächen durch Macht, Gier, sexuelle Anziehung, und es wandeln sich Charaktere / lassen eine dunkle Seite erkennen, die man so nicht erwartet hatte (positiv aus der Frühzeit zu nennen wäre #7). Hier ist das beim Täter der Fall, der nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus sexuellen Gründen gehandelt hat. Und ein, zwei Szenen lassen erkennen, dass es nicht nur um das normale „Betrügen im Dreiecksverhältnis“ geht, sondern dass unser überlebendes Pärchen reichlich not*eil ist. Das ist genauso herrlich abgründig wie das schließliche Gegeneinander-Ausspielen durch Columbo. 8 Punkte.

Mord im Bistro  
Tonio
19.11.2017 07:34:35
 
Eine herausragende Folge, und wieder einmal ein auf angenehm amüsante, aber nicht zu alberne Art selbstreflexiver „Columbo“, bei dem die Serie fast ein wenig aus der Flimmerkiste tritt, um sich selbst zuzuschauen. Hätte nur noch gefehlt, dass à la Tukur-Tatort Peter Falk Peter Falk spielt, dem bei einem „Columbo“-Dreh ein Mord unterkommt. Immerhin gibt’s was Ähnliches und weist schon der Film-im-Film-Beginn auf die Meta-Ebene hin. Inspektor Lucerne, gespielt von Ward Fowler (William Shatner), ist so eine Art Columbo – allerdings mit großspurigerer Attitüde. Dass er auf witzige Art sogleich seinen Text verpatzt, mag andeuten, dass er es an Raffinesse mit dem Meister nicht wird aufnehmen können. Wenn er sich Scharmützel mit der eiskalten, ihm hoffnungslos überlegenen Produzentin, seiner Ex-Geliebten, liefert und anregt, der Mörder müsse einmal sympathischer gestaltet werden, da das Opfer ihn erpresse, ist die kommende Rollenverteilung klar (aber auch, dass „Columbo“ der „Lucerne“-Serie überlegen ist, da in Erstere der Typus der sympathischen Mörders bereits eingeführt wurde). Es kommt zur scheinbar perfekt geplanten Tat, zum üblichen Platzen Columbos in einen Dreh und zu den „kleinen Dingen, die stören und einfach nicht mehr aus dem Kopf wollen“. Und zu einem wahrhaft grandiosen Zusammenspiel zwischen Falk und Shatner, das ich Letzterem kaum auf diesem Niveau zugetraut hätte, musste er doch in der Enterprise-Pause aus dem Karrieretief heraus Schrottrollen wie in „The Devil’s Rain“ annehmen. Aber er ist in einer Liga mit Top-Mörder/innen wie Louis Jourdan und Ruth Gordon: Letztere, weil ebenfalls sympathisch, aber zu sehr damit kokettierend. Ersterer, weil Falk/Columbo und der Gegner sich in schönster Schnöseligkeitsüberbietung die Bälle unnachahmlich zuwerfen. Dabei werden die beiden und diesmal insbesondere Shatner aufs Beste vom Drehbuch unterstützt, ist doch die Rolle – worauf der Kommentator dieser Seite zu Recht hingewiesen hat – fast schon an der Grenze zur Schizophrenie, oder: Hier ist ein Serienstar, dem die Trennung zwischen Realperson und Rolle zunehmend zu entgleiten droht. So hat man bald den Eindruck, dass die zwei Meisterdetektive Columbo und Lucerne gemeinsame Sache gegen Fowler machen, vom dem Lucerne später ganz gern in der dritten Person spricht. Das verschafft der Figur eine tragische Abgründigkeit, ist aber auch in bester Columbo-Tradition, da es immer auch um Schauspielerei geht. Mörder inszenieren ihre Taten, ihre Opferrolle, ihr Trauern und den Toten, ihre falschen Spuren. Columbo inszeniert seine Schusseligkeit und sein Fragen um drei Ecken herum, was Fowler ihm hier sogleich auf den Kopf zusagt (wobei das Schöne an Columbo ist, dass ihm das so in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass er selbst kaum noch weiß, was getrickst und was ehrlich ist). Es ist daher kein Zufall und oft besonders gelungen, wenn Columbo im Milieu der darstellenden Künstler ermittelt, denn um das Spielen einer Rolle geht es. Während z.B. in der England-Episode der zweiten Staffel der überführte Theatermime nur noch Shakespeare brabbeln kann (und die Episode auch ansonsten mit jeder Menge Shakespeare-Anspielungen gespickt ist), kann hier der Mörder nur noch einen auf Columbo bzw. Inspektor Lucerne machen. Dies ist hier erkennbar von Anfang an seine Tragik – die Darstellung ist großartig und stringent bis zum bitteren Ende. Aber denken Sie bitte jetzt nicht, dass sich der Mann selbst zugrunde richtet und Columbos Spürsinn nicht mehr gebraucht würde! Somit ist hier wirklich alles drin, was einen hervorragenden Columbo ausmacht. Gags am Rande wie ein falscher (weißer?) Hai im Studiobecken und die Schuhe, mit denen sich Fowler größer macht (es gibt auch eine versteckte Anspielung auf Falks eher knappen Körpermaße) sind nie Selbstzweck, sondern bringen die Diskrepanz zwischen Schein und Sein zum Ausdruck, um die es hier durchgängig geht. Eines hingegen ist Geschmackssache: In späteren Folgen wurde ein Wechsel der Ebenen manchmal filmästhetisch etwas extravaganter gestaltet, z.B. bei „Selbstbildnis eines Mörders“ und „Die vergessene Tote“. Ich mag das und grad diese beiden Episoden besonders gern. „Mord im Bistro“ kann man hingegen nicht umgekehrt vorwerfen, sich sowas nicht getraut zu haben. Er ist in Drehbuch und Schauspielführung wie Montage so geschickt, dass er Mätzchen nicht nötig hat. Höchstwertung!
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