Üblicherweise sind die besten Duelle sonst diejenigen, in denen der Mörder arrogant agiert und Columbo unterschätzt und verspottet. Der von seiner strenggläubigen Ehefrau ausgebeutete und seiner Lebensfreude beraubte Sänger aber würde am liebsten Freundschaft schließen mit dem Mann, der sein Feind sein sollte. Tommy Brown erkennt auch in dem Inspektor einen unterbezahlten Arbeiter, der hart schuften muss, um über die Runden zu kommen, genau wie Tommy selbst. Und Columbo zeigt Tommy am Ende dadurch, dass er sich ohne weitere Polizeibeamte ganz allein in die Höhle des Löwen bzw. den finsteren Wald des Verbrechens wagt, dass dieser Mörder wirklich kein skrupelloser Unmensch ist, vor dem sich ein jeder in acht nehmen muss - und das sagt er ihm im wundervollen letzten Satz ja auch.
Man könnte sagen, Johnny Cash spielt sich hier regelrecht selbst, denn auch er war ein Philanthrop, der trotz seines Kultstatus als Country-Legende seine Mitmenschen nie von oben herab angeschaut hat. Diese Authentizität verleiht der Folge eine wohltuende Stimmung.
Die große Stimme von Johnny Cash, die man gewöhnlich nur singen hört, im englischen O-Ton sprechen zu hören, ist etwas ganz Besonderes. Es kommt mir dann so vor, als würde der Hauptdarsteller Peter Falk ausnahmsweise von seinem Gaststar in Sachen Präsenz fast in den Schatten gestellt. Seit der Erstsichtung liebe ich "Schwanengesang" - mein Rang 2 von 69!
Schon die Story mit der spektakulären Mordmethode (Flugzeugabsturz) hebt "Schwanengesang" auf Kino-Niveau. Auch psychologisch hat sie viel zu bieten. Wie sich Columbo trotz harmlosen Auftretens als echte Bedrohung für Tommy Brown herauskristallisiert (das merkt er auch), ist spannend zu beobachten. Die allergrößte Stärke der Folge aber, das was sie besonders spitzenmäßig macht, ist der ungewöhnlich respektvolle Umgangston zwischen Tommy Brown und Columbo in allen gemeinsamen Szenen.
Columbos Trick mit dem ausgetauschten Türschloss gehört zu seinen listigsten Schachzügen überhaupt. Und auch der Mörder ist außerordentlich clever: Zuerst macht er sich absichtlich verdächtig, wohl wissend, dass er später ein Alibi vorweisen können wird, nach dem ihn niemand mehr verdächtigen kann. Von den drei Jack-Cassidy-Folgen ist diese die eine ohne inhaltliche Mängel. Die manipulativen Scripts aus "Tödliche Trennung" und "Wenn der Schein trügt" können mich nicht so sehr überzeugen.
Sehr gute Folge, aber ich seh es wie Tonio, es gibt einiges zu bemängeln. Die EInbrecher-Geschichte ist extrem schwach. Das Finale gefiel mir jedoch sehr gut. Hamilton ist ein Ultraunsympath, der mich, auch äußerlich, an Billy Zane erinnert. Ich bin gespannt, wie die zweite Folge mit ihm sein wird.
8/9
Wie viele Opfer bei Columbo haben den "Tod" verdient? Diese Dame gehört zweifellos dazu. Nervig und unerträglich treibt sie den armen Dick van Dyke zur Weisglut. Über die Fesselszene mußte ich echt lachen. Ich gestehe, ich habe nochmal zurückgespielt. :-D
Dick van Dyke spielt toll, J. Thormann spricht gekonnt emotionslos.
9/9