Es fehlt nur das ganz kleine Quentchen, das mich wirklich elektrisiert und dazu führt, dass einige, ganz wenige Columbo-Folgen in die Spitzengruppe mit 9 Punkten kommen. Aber das ist schon ein guter bis sehr guter Film, dem vor allem gelingt, eine Balance zu halten, um die die späteren Folgen – mit meist gutem, aber doch unterschiedlichen Erfolg – stets bemüht sind. Durch die nunmehr stetigen 90 Minuten sowie den Wunsch, nach X Folgen noch etwas Neues zu bieten, müssen sich die Macher so einiges einfallen lassen, aber auch aufpassen, dass die Folgen weder zu spinnert noch zu ausufernd noch zu „columbofremd“ werden. Von den ca. 3/4 der bisher gesehenen Folgen ist dies diejenige, in der der Inspektor am spätesten auftritt, nämlich in Minute 32 (Europäische DVD-Laufgeschwindigkeit). Aber vorher kommt keine Langeweile auf, sehen wir doch in schönster Tradition die Geschichte und die Charaktere, die in den Mord münden. Und das ist ja nicht minder interessant als die Schrullen unseres Ermittlers. Hier bestechend, wie es um eine Mischung aus einem absurden Zufall und der nackten Gier bzw. dem Neid geht. Ein junger, mittelloser Fotograf möchte, dass seine Ex endlich die Scheidungspapiere unterzeichnet und sieht beim Besuch bei ihr, dass er den Lotto-Jackpot geknackt hat. 30 Millionen! Der gefällige Soundtrack verarbeitet gleich mal „We’re in the money“ (und am Ende auch „This Old Man“) und lässt den jungen Mann ziemlich ausrasten, der sofort wie von Sinnen einen (vergleichsweise kleinen) Teil des Geldes ausgibt. Und statt dass er sich sagt, „mit 15 Mille bin ich immer noch schweinereich“, gönnt er der Noch-Frau nix und schmiedet mit seinem Onkel einen Plan, der sich aber an der Börse verzockt hat und die Kohle ebenfalls gut gebrauchen kann. Mehr sei nicht verraten. Neben den üblichen gelungenen Detektionen und Kultfaktoren (allein Columbos Vorfahren beim Nobel-Autohaus, in dem der junge Mann einen sündhaft teuren Flitzer geordert hatte…) gibt es einen Hang zum Abgedrehten. Diesen mag ich oft grad in den späteren Folgen, wenn er – wie hier – nicht zu Albernheiten führt. Mittendrin offenbaren sich in #46 ff. gelegentlich menschliche Schwächen durch Macht, Gier, sexuelle Anziehung, und es wandeln sich Charaktere / lassen eine dunkle Seite erkennen, die man so nicht erwartet hatte (positiv aus der Frühzeit zu nennen wäre #7). Hier ist das beim Täter der Fall, der nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus sexuellen Gründen gehandelt hat. Und ein, zwei Szenen lassen erkennen, dass es nicht nur um das normale „Betrügen im Dreiecksverhältnis“ geht, sondern dass unser überlebendes Pärchen reichlich not*eil ist. Das ist genauso herrlich abgründig wie das schließliche Gegeneinander-Ausspielen durch Columbo. 8 Punkte.
Eine herausragende Folge, und wieder einmal ein auf angenehm amüsante, aber nicht zu alberne Art selbstreflexiver „Columbo“, bei dem die Serie fast ein wenig aus der Flimmerkiste tritt, um sich selbst zuzuschauen. Hätte nur noch gefehlt, dass à la Tukur-Tatort Peter Falk Peter Falk spielt, dem bei einem „Columbo“-Dreh ein Mord unterkommt. Immerhin gibt’s was Ähnliches und weist schon der Film-im-Film-Beginn auf die Meta-Ebene hin. Inspektor Lucerne, gespielt von Ward Fowler (William Shatner), ist so eine Art Columbo – allerdings mit großspurigerer Attitüde. Dass er auf witzige Art sogleich seinen Text verpatzt, mag andeuten, dass er es an Raffinesse mit dem Meister nicht wird aufnehmen können. Wenn er sich Scharmützel mit der eiskalten, ihm hoffnungslos überlegenen Produzentin, seiner Ex-Geliebten, liefert und anregt, der Mörder müsse einmal sympathischer gestaltet werden, da das Opfer ihn erpresse, ist die kommende Rollenverteilung klar (aber auch, dass „Columbo“ der „Lucerne“-Serie überlegen ist, da in Erstere der Typus der sympathischen Mörders bereits eingeführt wurde). Es kommt zur scheinbar perfekt geplanten Tat, zum üblichen Platzen Columbos in einen Dreh und zu den „kleinen Dingen, die stören und einfach nicht mehr aus dem Kopf wollen“. Und zu einem wahrhaft grandiosen Zusammenspiel zwischen Falk und Shatner, das ich Letzterem kaum auf diesem Niveau zugetraut hätte, musste er doch in der Enterprise-Pause aus dem Karrieretief heraus Schrottrollen wie in „The Devil’s Rain“ annehmen. Aber er ist in einer Liga mit Top-Mörder/innen wie Louis Jourdan und Ruth Gordon: Letztere, weil ebenfalls sympathisch, aber zu sehr damit kokettierend. Ersterer, weil Falk/Columbo und der Gegner sich in schönster Schnöseligkeitsüberbietung die Bälle unnachahmlich zuwerfen. Dabei werden die beiden und diesmal insbesondere Shatner aufs Beste vom Drehbuch unterstützt, ist doch die Rolle – worauf der Kommentator dieser Seite zu Recht hingewiesen hat – fast schon an der Grenze zur Schizophrenie, oder: Hier ist ein Serienstar, dem die Trennung zwischen Realperson und Rolle zunehmend zu entgleiten droht. So hat man bald den Eindruck, dass die zwei Meisterdetektive Columbo und Lucerne gemeinsame Sache gegen Fowler machen, vom dem Lucerne später ganz gern in der dritten Person spricht. Das verschafft der Figur eine tragische Abgründigkeit, ist aber auch in bester Columbo-Tradition, da es immer auch um Schauspielerei geht. Mörder inszenieren ihre Taten, ihre Opferrolle, ihr Trauern und den Toten, ihre falschen Spuren. Columbo inszeniert seine Schusseligkeit und sein Fragen um drei Ecken herum, was Fowler ihm hier sogleich auf den Kopf zusagt (wobei das Schöne an Columbo ist, dass ihm das so in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass er selbst kaum noch weiß, was getrickst und was ehrlich ist). Es ist daher kein Zufall und oft besonders gelungen, wenn Columbo im Milieu der darstellenden Künstler ermittelt, denn um das Spielen einer Rolle geht es. Während z.B. in der England-Episode der zweiten Staffel der überführte Theatermime nur noch Shakespeare brabbeln kann (und die Episode auch ansonsten mit jeder Menge Shakespeare-Anspielungen gespickt ist), kann hier der Mörder nur noch einen auf Columbo bzw. Inspektor Lucerne machen. Dies ist hier erkennbar von Anfang an seine Tragik – die Darstellung ist großartig und stringent bis zum bitteren Ende. Aber denken Sie bitte jetzt nicht, dass sich der Mann selbst zugrunde richtet und Columbos Spürsinn nicht mehr gebraucht würde! Somit ist hier wirklich alles drin, was einen hervorragenden Columbo ausmacht. Gags am Rande wie ein falscher (weißer?) Hai im Studiobecken und die Schuhe, mit denen sich Fowler größer macht (es gibt auch eine versteckte Anspielung auf Falks eher knappen Körpermaße) sind nie Selbstzweck, sondern bringen die Diskrepanz zwischen Schein und Sein zum Ausdruck, um die es hier durchgängig geht. Eines hingegen ist Geschmackssache: In späteren Folgen wurde ein Wechsel der Ebenen manchmal filmästhetisch etwas extravaganter gestaltet, z.B. bei „Selbstbildnis eines Mörders“ und „Die vergessene Tote“. Ich mag das und grad diese beiden Episoden besonders gern. „Mord im Bistro“ kann man hingegen nicht umgekehrt vorwerfen, sich sowas nicht getraut zu haben. Er ist in Drehbuch und Schauspielführung wie Montage so geschickt, dass er Mätzchen nicht nötig hat. Höchstwertung!
Hier werden keine kleinen Brötchen gebacken, dies ist von Anfang an klar. Selbst wenn man die allglatt-fiese Arroganz von Jack-Cassidy-Charakteren aus früheren Folgen nicht kennt, wird sie sogleich deutlich. Und als Meister-Illusionist ist der von ihm gespielte „Große Santini“ ein perfekter wie ebenbürtiger Gegner – natürlich nur fast, aber immerhin. Und dann ist er auch noch ein NS-Verbrecher! Was der Mann, der es aufzudecken gedenkt, mit dem Leben bezahlt. Die vertrackte Tatausführung, das hohe Kriminalitätspotenzial, die Raffinesse – eine diesmal besonders hohe Herausforderung, bei der es ein Genuss ist, zu sehen, wie Columbo sie annimmt. Obwohl ich grad auch manche Folge mag, in der der Held tatsächlich mal ins Straucheln zu kommen scheint und im Innersten seiner Seele verletzt wird (vor allem „Wer zuletzt lacht“ und „Ruhe sanft, Mrs. Columbo“), ist diese aus der Reihe „gewitzt überlegener Inspektor“ eine der besten. Neben der erwähnten großen Herausforderung gibt’s viel Liebe zum Detail. Beispielsweise erscheint Santini oft aus leichter Froschperspektive vor dem Vorhang seines Cabarets auch in scheinbar banalen Situationen wie einer, der nicht einfach da ist, sondern der auftritt. Die Bühne ist das Leben. Damit hat auch der Mord während eines Zaubertricks (!) zu tun. Der Freund der Tochter des Täters tritt als Sänger vor der Zaubershow auf und singt kaum zufällig „When we play La Charade“, was mehr als eine Hommage an „Charade“ (1963) mit Cary Grant und Audrey Hepburn ist. Der ultimative Brüller findet sich im mittleren Teil: eine Art Duell zwischen Columbo und Santini im Rahmen des Letzteren Show. Allein wie der Ermittler, obwohl Santini vorher schon seine Ablehnung bekundet hatte, durchdrückt, dass er als „Freiwilliger“ den großen Meister mit einem vorbereiteten Trick herausfordern darf, ist eine der geschicktesten Columbo-Nervereien der Serie. Dann der Clou: Columbo verliert – und hat gerade dadurch gewonnen, weil der Zauberer zwar die Handschellen knacken konnte, aber eben auch ein eigentlich unknackbares Schloss, das der Mörder geöffnet hatte. Santinis Eitelkeit ließ nicht zu, dass er vor Publikum suggerierte, Columbos Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Doppeldeutige Blicke und Sprüche in zwei für die Serie ungewöhnlich direkten Frontal-Großaufnahmen der Antagonisten bringen die Süffisanz auf den Punkt. Und hat uns vielleicht nicht nur Columbo, sondern sogar Peter Falk hier eine Illusion serviert, da nach meiner Beobachtung das zwinkernde Auge das Glasauge ist? Die Folge ist wirklich sehr aufmerksam inszeniert und gespielt und ich mag sie geringfügig lieber als den thematisch teils ähnlichen Guillotinen-Wiedereinstand (#46), in dem der Inspektor doch mitunter etwas großspurig und/oder umständlich auftrat. Dieser ist aber vielleicht sogar durch eine kleine Szene mit einer Zauber-Guillotine in der vorliegenden Folge angeregt worden. Weit über dem Durchschnitt – vielleicht mit der kleinen Einschränkung, dass die starken Antagonisten diesmal wenig Platz für starke Nebenfiguren lassen. Damit darf man es zwar auch nicht übertreiben, aber grad die späteren Folgen lassen insoweit gelegentlich ungeahnte Abgründe bei so manchem erkennen. Was würde z.B. die hübsche Tochter sagen und/oder tun, wenn sie von der Vergangenheit ihres Vaters erfährt? Wir erfahren sowas nicht, Columbo regelt den Fall allein. Nur auf einen kann er nicht verzichten: auf seinen Mantel, den er zugunsten eines neuen Mantels abgelegt hat, was zu wunderbaren Gags und natürlich gegen Ende zur Rückkehr des Trenchcoats führen wird. 8 von 9 Punkten.
Hier werden keine kleinen Brötchen gebacken, dies ist von Anfang an klar. Selbst wenn man die allglatt-fiese Arroganz von Jack-Cassidy-Charakteren aus früheren Folgen nicht kennt, wird sie sogleich deutlich. Und als Meister-Illusionist ist der von ihm gespielte „Große Santini“ ein perfekter wie ebenbürtiger Gegner – natürlich nur fast, aber immerhin. Und dann ist er auch noch ein NS-Verbrecher! Was der Mann, der es aufzudecken gedenkt, mit dem Leben bezahlt. Die vertrackte Tatausführung, das hohe Kriminalitätspotenzial, die Raffinesse – eine diesmal besonders hohe Herausforderung, bei der es ein Genuss ist, zu sehen, wie Columbo sie annimmt. Obwohl ich grad auch manche Folge mag, in der der Held tatsächlich mal ins Straucheln zu kommen scheint und im Innersten seiner Seele verletzt wird (vor allem „Wer zuletzt lacht“ und „Ruhe sanft, Mrs. Columbo“), ist diese aus der Reihe „gewitzt überlegener Inspektor“ eine der besten. Neben der erwähnten großen Herausforderung gibt’s viel Liebe zum Detail. Beispielsweise erscheint Santini oft aus leichter Froschperspektive vor dem Vorhang seines Cabarets auch in scheinbar banalen Situationen wie einer, der nicht einfach da ist, sondern der auftritt. Die Bühne ist das Leben. Damit hat auch der Mord während eines Zaubertricks (!) zu tun. Der Freund der Tochter des Täters tritt als Sänger vor der Zaubershow auf und singt kaum zufällig „When we play La Charade“, was mehr als eine Hommage an „Charade“ (1963) mit Cary Grant und Audrey Hepburn ist. Der ultimative Brüller findet sich im mittleren Teil: eine Art Duell zwischen Columbo und Santini im Rahmen des Letzteren Show. Allein wie der Ermittler, obwohl Santini vorher schon seine Ablehnung bekundet hatte, durchdrückt, dass er als „Freiwilliger“ den großen Meister mit einem vorbereiteten Trick herausfordern darf, ist eine der geschicktesten Columbo-Nervereien der Serie. Dann der Clou: Columbo verliert – und hat gerade dadurch gewonnen, weil der Zauberer zwar die Handschellen knacken konnte, aber eben auch ein eigentlich unknackbares Schloss, das der Mörder geöffnet hatte. Santinis Eitelkeit ließ nicht zu, dass er vor Publikum suggerierte, Columbos Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Doppeldeutige Blicke und Sprüche in zwei für die Serie ungewöhnlich direkten Frontal-Großaufnahmen der Antagonisten bringen die Süffisanz auf den Punkt. Und hat uns vielleicht nicht nur Columbo, sondern sogar Peter Falk hier eine Illusion serviert, da nach meiner Beobachtung das zwinkernde Auge das Glasauge ist? Die Folge ist wirklich sehr aufmerksam inszeniert und gespielt und ich mag sie geringfügig lieber als den thematisch teils ähnlichen Guillotinen-Wiedereinstand (#46), in dem der Inspektor doch mitunter etwas großspurig und/oder umständlich auftrat. Dieser ist aber vielleicht sogar durch eine kleine Szene mit einer Zauber-Guillotine in der vorliegenden Folge angeregt worden. Weit über dem Durchschnitt – vielleicht mit der kleinen Einschränkung, dass die starken Antagonisten diesmal wenig Platz für starke Nebenfiguren lassen. Damit darf man es zwar auch nicht übertreiben, aber grad die späteren Folgen lassen insoweit gelegentlich ungeahnte Abgründe bei so manchem erkennen. Was würde z.B. die hübsche Tochter sagen und/oder tun, wenn sie von der Vergangenheit ihres Vaters erfährt? Wir erfahren sowas nicht, Columbo regelt den Fall allein. Nur auf einen kann er nicht verzichten: auf seinen Mantel, den er zugunsten eines neuen Mantels abgelegt hat, was zu wunderbaren Gags und natürlich gegen Ende zur Rückkehr des Trenchcoats führen wird. 8 von 9 Punkten.
Ganz an die England-Episode kommt diese nicht heran, aber ein achtbarer zweiter Versuch, Columbo in ein anderes Land, diesmal Mexico, zu versetzen, wo er grad rein zufällig (das ist diesmal nicht ironisch gemeint) einen Polizeikapitän kennenlernt, der zu einem tragischen Unfall gerufen wird, von dem wir wissen, dass er keiner war… Die üblichen Spiegelfechtereien auf hohem Niveau, ein mächtiger Gegner, ein Clash of Cultures, der aber in England noch süffisanter war (allein das Überhöhen der Klischees, um sie einerseits nicht ernstzunehmen, andererseits aber das Gastland u.a. mit mannigfaltigen Shakespeare-Anspielungen zu respektieren, das ist unerreicht). Etwas seltsam höchstens, dass die Falle am Ende nicht etwa dazu führt, dass der Täter die Ausführung der Tat offenbart, sondern das Motiv. Hier merkt man das auch vom Webseiten-Kommentator aufgegriffene Element des etwas Konstruierten: Falle und Reaktion des Täters sprechen nicht genug für sich, sodass eine Drehbucherklärung hinterher noch nötig war. Immerhin kommt sie. Gut aber nicht überragend, 7 von 9. Schön ist, dass tatsächlich alle wichtigen Gastrollen von Hispanics verkörpert werden.
Eine im Wesentlichen gelungene Folge, die man meines Erachtens als teilweise durchaus subversive Agentenfarce sehen sollte. Top-Agenten der CIA sind auch nur Menschen und nehmen sich wichtiger / sehen sich perfekter und unersetzlicher, als sie sind – stattdessen sind sie reichlich spleenig. Diese Lesart kann ein paar scheinbare Ungereimtheiten erklären. Zwei Schnüffler höchsten Ranges treffen sich auf einem Rummelplatz, weil einer halt ein Faible für Rummelplätze hat. Dass man dort fotografiert werden kann? Egal. Und wie kleine „boys and their toys“ demonstrieren sie ihre Schießkünste und machen sich dergestalt selbst zu Schießbudenfiguren, auf dass man sich auch ja an sie erinnere. Einer der beiden, gespielt vom Columbo-„regular“ Patrick McGoohan (immerhin mal ein Kandidat für den Bond, echt jetzt), wirtschaftet auch noch unter falscher Identität in die eigene Tasche. Ein anderer, gespielt von Leslie Nielsen, muss deswegen sterben, wunderschön ausgeleuchtet des Nachts unter einer Strandbrücke. Die Informationen wie ein erwähnter Mikrofilm, die konspirativ gegen Unsummen den Besitzer wechseln sollen und ach so wichtig für die Sicherheit von was auch immer seien, bleiben hübsch im Dunkeln (das ist das, was bei Hitchcock „McGuffin“ genannt wird). Und noch in dem Moment, in dem eine Art Oberboss der CIA Columbo trifft, wählt man einen betont „kindischen“ Schauplatz (einen historischen Zug in einem Themenpark). Das alles ist von hübscher Hitchcock’scher Absurdität; der Meister wählte oft auch Schauplätze der bewusst banalen Öffentlichkeit für Hochgeheimes (und ließ den Grund der finsteren Machenschaften im Dunkeln und also absurd komisch erscheinen, wie etwa in „Der unsichtbare Dritte“ und „Eine Dame verschwindet“). Eine Weile hat es gleichwohl gedauert, bis ich mich darauf einlassen konnte. Zunächst stochert Columbo im Dunkeln, ist zwar noch nicht wie James Bond im Orient, begafft aber allzu überdeutlich eine Bauchtänzerin in einer Bar und nervt einen Assistenten zu herablassend (besser: „Blumen des Bösen“; noch schlechter: „Der alte Mann und der Tod“). Dann aber kommt der Film auf Kurs; zunächst, wenn sich herausstellt, dass das Opfer den Namen eines noch Lebenden gewählt hat, was schön zum Mimikry der Schlapphüte passt und schon die abgedrehten Abgründe des letzten Aktes vorwegnimmt. Dann beim Aufeinandertreffen der Antagonisten. Trotz der genannten Fehler hat Columbo es mit einem Mann zu tun, der eloquent, weltgewandt, hochgebildet, gerissen und auch bedrohlich machtvoll ist, und das ist bekanntlich immer eine Stärke der Serie. Hier setzen die Macher auch in der fünften Staffel noch neue Akzente bzw. eins drauf: Columbo hat überhaupt kein Problem damit, sich mit den scheinbar so viel Mächtigeren anzulegen. Wunderbar bizarr ist ein längeres Treffen mit dem Täter in dessen Prachthaus, in dem er den Inspektor gleichzeitig zuvorkommend bedient und bedroht: Er demonstriert seine Fremdsprachenkenntnisse und seine vermeintliche Überlegenheit, indem er die Diener auf Japanisch anweist sowie Columbo auf Italienisch begrüßt. Und er weiß z.B. genau, was die Lieblingsmusik von „Mrs. Columbo“ ist, weil er die eheliche Wohnung abgehört hatte. Nur weiter an die privaten Nieren des Ehe- und Familienmenschen Columbo ging nur „Ruhe sanft, Mrs. Columbo“! Natürlich siegt Columbo dennoch. Vielleicht ist es kein Zufall, dass dem Mann, der sich doch in den außenpolitischen Ränken bestens auskennen sollte, der Zeitpunkt des Bekanntwerdens des chinesischen Olympiaboykotts zum Verhängnis wird (wobei die deutsche Synchro dem beliebten Irrtum anheimfällt, eine Olympiade mit den Olympischen Spielen zu verwechseln). Der Täter ist eben vor allem: selbstverliebt und eitel, und so konnte er nicht lassen, eine Pointe in einer Rede zu setzen, die zum angeblichen Zeitpunkt des Redenschreibens noch gar nicht gesetzt werden konnte. Welchen Fehler ich aber nicht psychologisch oder satirisch erklären kann und für eine schlichte Drehbuchblödheit halte: Einmal setzt der Mörder einen Zuträger in ein Auto und lässt dieses explodieren, was wir nur aus dem Off hören statt sehen. Schon dass das Opfer verletzt im Krankenhaus wieder auftaucht, ist verwunderlich. Das haben die Autoren wohl gemerkt und lassen jemanden erklären, dass der Bombenbastler den Insassen nicht töten WOLLTE, da er zu wenig Sprengstoff verwendet und diesen am aus Tätersicht ungünstigen Ort platziert hatte. Dies nun ist eine absolut hirnrissige Verschlimmbesserung, da der Verletzte den Täter beschreiben kann, was trotz dessen Maske ein irrsinniges Risiko ist und später auch tatsächlich zur Enttarnung führt. Wegen der beschriebenen sehr gelungenen Elemente im zweiten und dritten Akt bewerte ich die Episode dennoch im grünen Bereich, mit 7 von 9 Punkten.
@Chrissi: Ich denke mal, die US-Polizei hat tatsächlich gar keine Befugnisse. Meines Erachtens zieht sich die Folge ganz elegant aus der Affäre, da der Täter Columbo einfach machen lässt, aber das Drehbuch verdeutlicht, dass er ihn auch hinauswerfen könnte. Da erfährt der Inspektor halt die typische Melange aus Wertschätzung und Unterschätzung, die doch ein Kernelement der Serie ist oder? Richtig verwickelt wird es, wenn wir das Ganze mal nach dem Abspann weiterspinnen: Müsste sich die US-Justiz nicht für unzuständig erklären, und zwar auch dann, wenn der Täter sich ihr ausliefern WILL, da ihm die US-Justiz lieber ist als die seines Heimatstaates? Ohne Kenntnisse im US-Strafrecht würde ich sagen: JA. In Deutschland müsste jedenfalls ein Strafrichter von Amts wegen feststellen, warum der Täter zu verurteilen ist; also auch wenn er gesteht und das Geständnis wahr ist, da doch klar sein muss, ob das nach §§ 212, 211 StGB (Totschlag und Mord) oder nach dem Recht eines anderen Staates geht, beim Prozessrecht dito. Obwohl ich Jurist bin (mit, die typische Ausrede, anderen Spezialgebieten…:-): So genau muss ich’s dann nicht wissen. LG, Tonio
„Diplomatische Immunität“ (ein südafrikanischer Apartheidheini) – „Die ist soeben abgelaufen – PÄNG!“ (Mel Gibson / seine Wumme). So werden derartige Probleme in der „Lethal Waepon“-Reihe „gelöst“. Und nun steht der Mann, der beim Zielen auf einen Pool nicht mal das Wasser träfe, wie er in einer anderen Folge sagt, vor demselben Problem, das er natürlich auf seine völlig andere Weise löst. In einem arabischen Fantasiestaat brodelt es, die Studenten demonstrieren vor der US-Botschaft, der Sekretär legt den Sicherheitschef um. Die genauen Hintergründe bleiben im Dunkeln – vielleicht aus Rücksichtnahme? Die Proteste gegen den Schah von Persien sollten in wenigen Jahren auf ihren Höhepunkt zusteuern. Ist letztlich nicht so wichtig; das ist kein ernstzunehmender Politthriller, das ist ein Columbo, wie er leibt und lebt. Der Inspektor tritt dem Täter sogar im wahrsten Sinne des Wortes auf die Schleppe (wie ein paar Folgen später Miss Celeste Überkandidelt Holm). Gewohnt clever entdeckt er die obligatorischen störenden Kleinigkeiten, und weil der Täter sich überlegen wähnt, lässt er den Mann, den er als klugen Kopf durchaus schätzt, einfach machen, statt ihn aus seinem Hoheitsgebiet, was eine Botschaft unabhängig von ihrer Lage ja ist, zu werfen. Nur am Ende wird’s ihm zu bunt, und der Reiz der Folge besteht im letzten Akt, in dem der Täter (nicht ungewohnt, aber deutlicher als in anderen Folgen) seine Taten ungerührt zugibt. Was zu einer gewohnt guten Falle Columbos mit einem sogar etwas beunruhigenden Ende führt. Der Ermittler erweckt den Eindruck, den Täter ungerührt der Justiz seines Staates zu übergeben, von der trotz eines freundlichen Monarchen angedeutet wird, dass sie US-rechtsstaatlichen Standards nicht gerade genüge. Würde Columbo das echt machen? Ist es nicht schön, dass wir das nicht so genau wissen (wie z.B. auch bei dem grenzwertigen Unter-Druck-Setzen in Partnerschaft mit einem von Rod Steiger gespielten Paten in einer der späteren Folgen)? Wie dem auch sei, eine gelungene Folge, in der der Ermittler viel von seiner von mir besonders geschätzten Ambivalenz zeigt: Einerseits scheint er der Getriebene, von den Umständen Gelenkte zu sein, wenn er z.B. einfach mal bei der Demo mitmacht und sich ein Schild in die Hand drücken lässt. Andererseits ist er hartnäckig und unbestechlich wie nie, wenn er sogar zu einer Art Wegelagerer wird und sich einfach stundenlang vor das Botschaftstor setzt, bis er Einlass bekommt (ein hübscher Gag, dass seine Kleidung dazu naturgemäß recht gut passt…). Für die Höchstwertung hätte ich höchstens noch etwas mehr Abgründe und ein paar stärkere Nebenrollen gewünscht. Immerhin ist Sal Mineo (bekannt als Jugendlicher aus „…denn sie wissen nicht, was sie tun“ und „Exodus“) dabei. Starke Frauenrollen sucht man vergeblich, wohl dem Milieu geschuldet, auch wenn eine unverschleierte Botschafts-Mitarbeiterin ansatzweise zu so etwas aufgebaut werden soll. Vielleicht wäre die Folge als Neunzigminüter noch ein wenig besser. Und die allergrößten Knaller sind meines Erachtens oft diejenigen, in denen Columbo tatsächlich ins Straucheln zu kommen scheint. Hier drängt sich der Vergleich mit einer meiner absoluten Lieblingsfolgen, „Wer zuletzt lacht“, auf: Während Columbo dort tatsächlich zunächst verloren zu haben scheint, sagt er es in „Mord in der Botschaft“ nur, steckt es aber viel souveräner weg, sodass wir um die Trickserei sofort wissen. Dies alles ändert aber nichts daran, dass dies eine sehr gelungene Folge ist, die 8 von 9 Punkten verdient.