Warum Columbo Lisa laufen lässt, sollte eigentlich klar sein: er hat nichts gegen sie an der Hand, nicht einmal einen Beleg dafür, dass sie am Tatort war, und er hält ja Lauren Staton für die Täterin. Der kann er auch nichts nachweisen, aber sie ist zu einem Geständnis bereit, wenn er ihre Komplizin laufen lässt. Columbos Verhalten erweist sich mehr als gerechtfertigt, wenn dann die Gründe für den Mord aufgedeckt werden. (Dass er bis dahin nicht wusste, dass Lisa Laurens Tochter ist, stellt allerdings eine Schwäche in seinen sonst so peniblen Recherchen dar.)
@Gast: Wenn der zweite Schuss von der Wohnung ins Freie abgefeuert wurde, dann konnte die Polizei die zweite Kugel nicht finden, ohne die weitere Umgebung abzusuchen, wofür aber kein Grund bestand. Man wusste nur von einem Schuss und dafür fand sich die Kugel.
@Pjupe: Die Mörderin empfindet wirklich Sympathie oder mehr für Columbo. Dass als Nebenwirkung seine Ermittlungen weniger effektiv sein werden (wie sie meint) nimmt sie billigend in Kauf. Die Indizien gegen Lisa sind nicht besser als gegen Lauren. Es gibt überhaupt keine Beweise gegen sie. Sie hat die Polizei angelogen und kein Alibi für die Tatzeit, aber nicht mal ihre Gegenwart am Tatort ist belegbar. Nur Lauren könnte das bezeugen, aber dass sie das täte, ist illusorisch. Und schwer strafbar macht Columbo sich überhaupt nicht: Lisa kann ohne Beweis nicht bestraft werden, wo vereitelt er da eine Strafe?
@Tobias F.: "ist mir das Mörderduo durch und durch unsympathisch" -- dass das während eines Teils des Films der Fall war, kann ich ja noch verstehen, aber wenn man ihn zu Ende gesehen hat, bei dieser Ansicht zu bleiben, das ist mir unverständlich. Nick Franco hat Lisa beinahe umgebracht, man bekommt die Narbe an ihrem Hals zu sehen. Er hat ihr gedroht, sie doch noch umzubringen, wenn sie ihrer Mutter Lauren erzählt, dass er auch mit der Tochter ein Verhältnis hat, und damit seine Pläne vereitelt, die Mutter auszunehmen. Lisa hat es der Mutter trotzdem erzählt. Was soll die machen? Ihre Tochter ist in Lebensgefahr, die Polizei wird nichts gegen Nick unternehmen, solange der nicht tätlich wird, und dann kann es zu spät sein. Einen weniger nachvollziehbaren Mord kann es kaum geben. Da kann man nur auf die Mindeststrafe unter Berücksichtigung aller mildernden Umstände plädieren.
@Tonio: "nicht entschuldbares Motiv" -- na ja, eine Mutter die das Leben ihrer Tochter schützen will und keinen anderen Ausweg sieht als Mord, das sieht mir immer noch wie das "entschuldbarste" Motiv von allen aus. So entschuldbar wie Tyrannenmord (Stauffenberg). Das korrektestmögliche Verhalten in dieser Situation ist fast, den Mord zu begehen und sich dann zu stellen, um die Strafe auf sich zu nehmen. Ich denke, von allen Morden der Serie ist das derjenige, der am ehesten zu rechtfertigen ist. Andere waren auch schon nachvollziehbar, aber da ging es den Tätern nicht um den Schutz einer anderen Person. Lisas Beihilfe ist weniger edel aber auch nachvollziehbar.
Auf so einen Trick hereinzufallen... Galesko hätte sofort klar sein müssen, dass jedes Gericht nur das Originalfoto akzeptiert hätte. Es wurde schon darauf hingewiesen, dass Columbo ihm bereits ein Original gezeigt hatte und dass zum Vergleich noch das Foto existiert, dass mit dem Erpresserbrief kam. Galesko hätte auch behaupten können, seine Frau hätte die angesteckte Blume immer links getragen. Abgesehen davon ist kein Gesicht wirklich symmetrisch. Ein forensischer Vergleich mit anderen Fotos hätte schnell die Tatsache ans Licht gebracht, dass das Foto verdreht ist. Ebenso ein direkter Vergleich mit dem Tatort. Wieder einmal hat ein Mörder dem Druck nicht standgehalten und zu schnell nachgegeben. Paul Galesko ist ein Iditiot. Das ist das Fazit dieser Folge.
Falls es jemanden interessiert: die Musik, kurz bevor Columbo fragt ob er in der Kaserne schlafen darf, kommt auch in der Folge „Mord in eigene Regie“ vor.
@Hochspannung: Der Entführer ist ein Stalker. Er entführt die Braut zu dem Zeitpunkt, wo er fürchten muss, sie, die ja "für ihn bestimmt ist", nicht mehr bekommen zu können. Solange er noch glaubte, sich ihr vielleicht anders nähern zu können, bestand vermutlich keine Mordabsicht (da damit ja auch sein Selbstmord notwendig geworden wäre).
Es ist allerdings nicht klar, wie er hätte vorgehen können, wenn er nichts über die Dusche gehört hätte. Vielleicht wäre er mit einer Schusswaffe eingedrungen und hätte den Ehemann erschossen.
Natürlich ist das kein typischer Columbo. Dass man keinen Mord mehr erwarten konnte, war spätestens nach dem Auffinden des zweiten Schuhs der Braut klar. Da der Zuschauer die Entführung selbst nicht sah, ließ sich auch früh erkennen, dass vom Standardschema abgewichen wurde, in dem die Zuschauer über die Einzelheiten des Mordes Bescheid wissen. Das übliche Katz-und-Maus-Spiel musste aus offensichtlichen Gründen entfallen und Witzeleien verboten sich, da es hier ja um die Rettung eines Menschenlebens ging -- es hatte eben keinen Mord gegeben, *nach* dem man durch Witze nichts mehr kaputt machen kann...
Trotzdem kommen einige typische Eigenschaften von Columbo in diesem Film immer noch zur Geltung. Seine Fähigkeit, unbedeutend erscheinende Details wahrzunehmen und folgerichtig zu interpretieren, führen zur Identifikation des Schulorts des Entführers, zur Feststellung, dass er mit einem Krankenwagen vor Ort war, und damit über den Arbeitgeber zur Adresse. Columbo verhindert auch ein lautstarkes Hineinplatzen der Polizei in das Gebäude und sorgt für die Abschaltung der Sirenen. Ohne das hätte der Täter jederzeit die Braut noch rechtzeitig mit dem Skalpell umbringen können (und es wohl auch getan).
Bei der Suche nach dem Entführer auf einen Unbekannten zu fokussieren, scheint allerdings nicht sonderlich plausibel. Man kann eigentlich nur die Bekannten ausschließen, für die ein Motiv nicht vorstellbar ist. Dann bleiben viel mehr Verdächtige übrig.
Sicher nicht der beste Columbo, weil vieles, was typisch und beliebt ist, fehlen musste. Aber als Krimi nicht schlecht, auch wenn es keine glanzvollen schauspielerischen Leistungen gab. Und die Serienschreiber haben Mut zur Abwechslung bewiesen (wenn auch nicht mit viel Glück).
@Tilli: Das Sprichwort ist schon richtig übersetzt worden. Eine wörtliche Übersetzung eines Sprichworts ergibt in der Regel kein Sprichwort in der anderen Sprache. Die "offizielle" Übersetzung von "A bird in the hand is worth two in the bush." ist "Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach". Es gibt eben kein deutsches Sprichwort, das dem englischen besser entspricht als dieses.
@danielson: Für den Mord an McCain hat Columbo einen ziemlich klaren Indizienbeweis. Er kann nachweisen, dass Dolores die Möglichkeit hatte, den Mord zu begehen, dass sie in der relevanten Zeitspanne am Tatort war, und dass sie auf Befragungen hin mehrfach gelogen hat, und zwar derart, wie es ein Täter zwecks Vertuschung der Tat tun würde. Wenn Columbo ein Motiv für die Tat nur plausibel machen kann, dann wird das vermutlich der Jury zur Verurteilung reichen. Die Schwierigkeit war, dass Dolores in der Öffentlichkeit (insbesondere vor Columbo) mit McCain geturtelt hat, was gegen ein Motiv spricht. Wenn sie aber ihren Mann ermordet hat und McCain versuchte, sie zu erpressen, dann war ein Motiv da. Diesen Mord muss Columbo nicht beweisen, wenn sie deswegen nicht angeklagt werden soll. Aber einer Jury ein Motiv für den zweiten Mord erkenntlich zu machen, dafür reicht die Erläuterung des (nicht beweisbaren) Ablaufs. Die Verteidigungsstrategie "kein Motiv" bricht damit zusammen. Das hat die Täterin erkannt und sich dann effektiv geständig gezeigt, womit die Sache auch erledigt ist.
@Bryce Chadwick Wenn man es darauf anlegt, kann man auch einen unkaputtbaren Schuldnachweis kaputt argumentieren. Zu "Playback" würde ich, wenn ich Spielverderber sein wollte, erstmal sagen:
1975 gab es keine so hoch auflösenden Videobildschirme, dass man die Schrift auf der Einladungskarte hätte lesen können. Und selbst wenn doch, dann wurde nur bewiesen, dass Harold über die tote Schwiegermutter steigen musste und sich ein Alibi verschafft hat, aber es wurde nicht bewiesen, dass Harold auch den tödlichen Schuss abgefeuert hat. Vielleicht hat der unschuldige Harold gedacht, man würde ihn bestimmt verdächtigen, und deshalb hat sich der unschuldige Harold zur Sicherheit ein Alibi verschafft und die Todeszeit gefälscht.