Ich habe diese Episode schon oft gesehen. Aber eines verstehe ich nicht, bzw. es macht für mich keinen Sinn.
Warum versetzt Tommy Brown (Johnny Cash) den Kaffee mit Schlaftabletten???
Wenn er vorhatte, seine Frau und das Mädchen umzubringen, hätte er mit dem Fallschirm abspringen und dass Flugzeug ausser Kontrolle geraten lassen können, während die beiden Frauen bei Bewusstsein waren. Es ist nicht anzunehmen, dass diese das Flugzeug das dem Absprung hätten fliegen können.
Das mit den Schlaftabletten ist eigentlich überflüssig.
Nach dem Motto "Saving the best for last" krönte der Sender NBC vor 40 Jahren seine überaus erfolgreiche Kultserie nochmal mit einem umwerfenden Top-10-Fall, den man wegen der Poesie unbedingt auf Englisch hören sollte. Die Limericks sind im Original wirklich zum Totlachen, und das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Columbo und der vermeintlichen Friedenstaube glänzt durch viele subtile Andeutungen. Clive Revill spricht mit irischem Akzent und gaukelt Columbo bis zuletzt einen guten Kumpel vor, merkt jedoch, dass dieser ihm immer näher auf die Pelle rückt. Die beklemmende Stille in der Schlüsselszene vor Columbos Geistesblitz (die in der Synchro durch aufdringliches irisches Gedudel zerstört wird) erzeugt eine seltene psychologische Dramatik. Howard Berk, der schon "Des Teufels Corporal" geschrieben hatte, stellt erneut sein Verständnis für das was Columbo zum Mythos macht unter Beweis. Und der Schlusssatz "So weit und nicht weiter!" stand elf Jahre lang symbolisch für Columbos allerletzte Worte, bevor es dann 1989 gottlob doch weiter ging.
Aber auch die Abwandlung des deutschen Sprichwortes ist ein poetischer Volltreffer. In der Tat geht Carsinis Liebe zum Wein ihm über die familiäre Bindung zu seinem Halbbruder. Es ist angesichts dieser grandiosen zwei Filmtitel ein Jammer, dass nicht auch die Krimihandlung von der gleichen Genialität zeugt.
"Any Port in a Storm" ist ein Sprichwort, das besagt, dass einem in einer gefährlichen Lage jede Form der Rettung willkommen ist. Einem Seefahrer in einem schweren Sturm ist jeder Hafen recht. Durch das Hinzufügen des Wortes old wird nun eine Doppeldeutigkeit in Bezug auf den alten Portwein kreiert. Und das Sprichwort passt wie die Faust aufs Auge auf Adrian Carsini, der am Schluss in einem Geständnis die Rettung vor der Zwangsehe mit seiner Sekretärin sieht.
Diese Folge hat mehr Stärken als Charakterdrama, weniger als Krimi. Die kriminaltechnischen Schwächen des Drehbuchs hat zum Glück der Tonio schon beispielhaft auf den Punkt gebracht, und auch ich kann mich nicht dazu durchringen, die viel gerühmte Lieblingsfolge von Peter Falk ins oberste Viertel einzusortieren. Aber für die Kreativität bei der Namensfindung sowohl beim deutschen als auch beim englischen Filmtitel muss ich eine Lanze brechen: fantastisch!
Der Schein trügt. Leicht lässt man sich blenden durch das zauberhafte Milieu und die erneute Mitwirkung des charismatischen Jack Cassidy. Sein Santini wirkt wie eine Karikatur: er hält sich für den Größten, aber was er abliefert, sind selbst für 70er Jahre-Verhältnisse keine verblüffenden Zaubertricks. Nicht einmal sein Alibi ist so toll wie er meint, denn dadurch dass nicht Santini, sondern seine Assistentin nach dem Abtauchen im Wasser aus dem Würfel springt, wird selbst dem einfältigsten Zuschauer im Saal klar, dass ein Austausch der Personen stattgefunden hat, und dass demnach niemand im Würfel war, während dieser im Wassertank hing.
Columbo hat einen neuen Mantel, den er nur am Anfang trägt und von dem er sagt, er könne darin nicht denken. Dies trifft zu. Leider unterläuft Columbo in der ersten Szene ein ärgerlicher logischer Fauxpas. Als er sich die Position der Leiche zu erklären versucht, kommt er nicht auf die naheliegendste aller Lösungen: Jerome könnte die Tür geöffnet haben, die Bedrohung erkannt haben, und von seinem Mörder langsam in den Raum zurück gedrängt worden sein, bzw. aus Angst ein paar Schritte rückwärts gegangen sein. Stattdessen schlussfolgert Columbo, der Mörder müsse selber die verschlossene Tür geöffnet haben und ein Experte im Aufbrechen von Schlössern sein, womit der Verdacht auf Santini fällt. Dem erst 30-jährigen Autoren Michael Sloan fiel offenbar kein glaubwürdiger Grund ein, wie Columbo sonst auf die richtige Spur kommen könnte. Es wäre ein schöner Schlusssatz gewesen, hätte Columbo zu Santini gesagt "Können Sie nicht meinen neuen Mantel verschwinden lassen?", denn Columbos eigene Bemühungen, das Ding zu verlieren, sind kläglich gescheitert.
Columbo scheint das Gesetz neuschreiben zu wollen: "Damit haben wir Möglichkeit und Motiv; das genügt für eine Verurteilung wegen Mordes!" Bitte?! Seit wann genügt es denn, den Angeklagten mit Motiv und theoretischer Möglichkeit zu konfrontieren und die Beweisführung wegzulassen?
Die Idee mit dem auswechselbaren Plastikfarbband, das nur einmal benutzt wird, klaute sich der Autor aus einer früheren "McMillan & Wife"-Folge der "NBC Sunday Mystery Movie" Serie, in der auch "Columbo" lief. Damit ist nicht mal der sogenannte Beweis eine große Eigenleistung und "Wenn der Schein trügt" muss zu den etwas weniger geglückten Folgen aus dem schwächelnden 76er Jahrgang gezählt werden.
Mir gefiel die Folge überraschend gut! Joyce van Patten habe ich die ehrgeizige Museumsdirektorin wirklich abgenommen. Sie war mir sehr sympathisch.
Lachen kann man über Columbos Haarschnitt und die lackierten Fingernägel!!!
Leider ist die Filmqualität auf der DVD mangelhaft.
7/9
Ein Inspektor, der sich selbst überführt. Spannende Idee und gut umgesetzt.
William Shatner spielt Fawler gut und glaubwürdig, leider ist seine Synchronstimme gruselig unpassend, wenn man jahrelang mit GGHoffmann und Sonnenschein groß geworden ist.
Mir gefiel die Folge zunehmend besser.
Ich bin froh, dass Shatner Jahre später nochmal mitgespielt hat.
7/9 mit Chance auf 8