Diese Folge ist charmant, gewitzt und clever. Weltstar Ray Milland eignet sich bestens für die Rolle eines arroganten Columbo-Widersachers. In der deutschen Erstsynchro wird deren Verbalduell auch erstklassig durch Klaus Schwarzkopf und Curt Ackermann vertont, also von denselben Stimmen wie schon zuvor in "Mord mit der linken Hand". In der "verlängerten", besser gesagt ungeschnittenen Neusynchro rumort Raubein Holger Hagen zwar etwas zu ungehobelt, aber dafür ist dort amüsant zu beobachten, wie der unerfahrene Sgt. Wilson sich siegessicher auf die falsche Spur führen lässt, ohne dass Columbo ihm wegen soviel Inkompetenz böse wird. Ein bisschen störend ist aber, dass ein Spezialist von der Mordkommission bei einem Entführungsfall mitmischt, bevor es (recht spät) zum eigentlichen Mord kommt. Sgt. Wilson bringt diese Ausgeburt der Unlogik sogar kurz zur Sprache, doch Columbo weicht der Frage aus. Die Antwort wäre wohl gewesen: Weil das Publikum sonst den halben Film lang auf das Erscheinen seines geliebten Peter Falk hätte warten müssen.
Ursula Vogel ist wahrlich nicht Janet Leigh, so dass im Deutschen die Performance der tragisch angelegten Rolle der Grace Wheeler Willis frequenzmäßig nicht den richtigen Ton trifft. Das kann dazu führen, dass zwischen Zuschauer und Film die "Chemie nicht stimmt". Claus Biederstaedt hingegen brummt und sänftelt sehr angenehm.
Beim zweiten Ansehen dieser ganz besonderen Folge, nachdem man weiß, dass die Mörderin an Gedächtnisschwund leidet, erkennt man viele Feinheiten, die beim ersten Sehen durchgerutscht sind. So hat z.B. die Mörderin schon in dem Moment, als sie mit dem Butler die Schlafzimmertür des Gatten aufbricht, ihre Schandtat vergessen. Ihre Augen verraten es in den Sekunden davor ganz deutlich. Die Folge, die im Original "Forgotten Lady" heißt, könnte also auch "Forgetting Lady" heißen. Höhepunkt der Episode sind die zwei fabelhaften letzten Dialoge, in denen Columbo mit Ned Diamond über Grace spricht. Das Ende ist - unüblich für Columbo - so rührend, dass man weinen könnte, und vor allem ist es einzigartig in der Serie, dass Columbo einen seiner Gegenspieler laufen lässt. (Lisa, die nur Komplizin in "Ein Toter in der Heizdecke" war, nicht mitgerechnet.)
Das Erzähltempo ist etwas schleichend, aber wenn man diese Folge, die ein gewisses Late-Night-Feeling versprüht, mit viel Muße an einem späten Abend schaut, kann sie Balsam für die Seele sein, auch für Musical-Hasser. Bei aller Dramatik ist noch Raum für köstliche Humor-Einlagen: die Füllszenen zum Thema "Columbo muss schießen üben" und der Showact "Columbo hängt im Baum". Auch Hund hat dabei einen sympathischen Auftritt.
Ich gebe 8 von 9 Punkten.
Autor Jackson Gillis ist wieder mal dabei, die etablierte Columbo-Erfolgsformel zu variieren. Das hat er öfters gemacht, und nicht immer war es ein Volltreffer. In diesem Fall wollen zwei Killer unabhängig voneinander denselben Mann töten. Später wird einer der beiden Killer vom anderen umgebracht, und Columbo, der schon auf der richtigen Spur war, muss von vorne beginnen. Zwischendurch wird noch das alte Krimiklischee, dass der Mörder immer der Gärtner ist, abgewandelt: Hier ist der Gärtner ein weiteres Todesopfer. Dass der Zuschauer den ersten Mord an Big Fred nicht zu sehen kriegt, macht ja noch Sinn. Dass wir aber Dolores McCains zweiten Mord an Harold auch nicht sehen dürfen, raubt der Folge eine mögliche starke Szene und nimmt ihr etwas vom Potential weg. Dennoch: Hier geht's turbulent, originell und kurzweilig zu; es ist viel los, und ich gebe 7 von 9 Punkten.
@rekath16 Das Kreuzzugsgerede ist aber nötig, um den religiösen Fanatismus von Edna zu verdeutlichen, wegen welchem sie ihren Mann ausnimmt, und weshalb sie letztlich beseitigt wird, und um sie unsympathisch und den Mörder sympathisch zu machen. Die Synchro ist wirklich top, der Originalton aber auch.
Schlecht finde ich von den 69 Filmen nur 2, so dass bei meinen Top 5 von unten die Ränge 3-5 schon wieder von passablen, durchschnittlichen Folgen belegt werden.
Platz 69: Niemand stirbt zweimal (2/9)
Platz 68: Mord nach Takten (3/9)
Platz 67: Der alte Mann und der Tod (5/9)
Platz 66: Das Aschenpuzzle (5/9)
Platz 65: Tödliche Liebe (5/9)
Bei Gelegenheit werde ich es detailliert begründen :-)
Ich bewerte die Folge mit 7/9.
Ich hatte so meine Probleme mit dem ganzen Kreuzzugsgerede. Johnny Cash spielt einen recht sympathischen Mörder. Die deutsche Synchro ist sehr gut. Ein bisschen tut er mir leid, Columbo hat sich wirklich in den Fall verbissen wie ein Wolf.
Trotzdem, und ich habe mir wirklich Mühe gegeben (die Folge 2mal gesehen), der Funke wollte nicht zu 100% überspringen.
@Columbologe: Welche Folgen sind denn deine Plätze 65 bis 69 (also die schlechtesten)?
Ich war geneigt, den Film mit mangelhaft zu bewerten. Zum x-ten Male eine Diva, die hier auch wirklich nur mit größter Mühe zu ertragen ist.
Dann kam das Ende. Das hat mich ziemlich verblüfft und ich war positiv angetan. Mit flauem Bauchgefühl erinnert die Auflösung an Peter Falks eigenes Schicksal.
Eigentlich ist Ned Diamond der wahre Star der Folge. Selbstlos springt er für Grace in die Bresche. Sein Dialog mit Columbo ist äußerst sehenswert.
Trotzdem ist Tödliches Comeback zum größten Teil einfach unangenehm.
4/9
Das war damals als Kind meine erste Columbo-Folge. Grandiose Episode, tolle Idee, dem Mörder zuvorzukommen. Sehr gute Schauspieler. Schöne Aufklärung. Columbo ist gut aufgelegt.
9/9
@Lothar Ich bin kein Jurist, erst recht nicht für kalifornisches Recht, aber ich denke doch, ein Durchsuchungsbeschluss berechtigt niemanden zum Umgraben des Gartens oder zum Auseinandernehmen des Hauses. Ein sicherer Platz war das unter der Vogeltränke also allemal.
Wieviel Zeit genau zwischen der Pferdevergiftung und dem Rennen vergeht, wird nicht deutlich, aber wenn man sich ansieht, wie rasch Drogen oder Schlafmittel in Folgen wie "Schreib oder stirb" oder "Zwei Leben an einem Faden" beim Menschen Wirkung zeigen, habe ich kein Problem damit, dass sie auch bei Pferden schnell volle Arbeit leisten.
Mich stört bezüglich der Asche eher etwas anderes. Columbo sagt: "Wenn Sie im Auto rauchen, tun Sie den Zigarettenstummel in den Aschenbecher, wohin sonst?" Das ist wohl kein Argument. Wie oft sehe ich Autofahrer ihren brennenden Stummel aus dem Fenster werfen!